Samstag, 08.11.2008
Die Reisegruppe:
Felix, Corinna, Tomek, Natalia, Rahel, Anna und Stefan
Jenny bringt uns mit einem Bulli am Freitag nach Frankfurt. Von dort fliegen wir direkt nach Kairo und kommen dort früh morgens an. Der erste Kontakt mit Ägypten besteht in der problemlos verlaufenden Passkontrolle in einem Flughafen mit dem Charme eines alten Bahnhofs. Nun müssen wir vom Flughafen zu unserer Unterkunft, dem "Paris Hotel" in der Talaat Harb Street in Downtown Kairo. Wir werden sofort von einem Taxifahrer in Edel-Zwirn angesprochen und bekommen einen japanischen Kleinbus samt Fahrer.
Nun machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Kairoer Fahrstil und es zeigt sich, dass Angst vorm Fliegen angesichts dieses vollkommen fehl am Platze war. Da es früher Morgen ist und die Straßen dementsprechend leer sind, steht einer zügigen Fahrt nichts im Wege. Dies bedeutet eine Slalomfahrt mit bis zu 130 km/h. Die völlige Ignoranz gegenüber Verkehrsregeln wird uns auch in den folgenden Tagen noch in Erstaunen und Entsetzen versetzen. Es wird exzessiv gehupt, gedrängelt, auf beiden Seiten überholt, abgedrängt, Ampeln werden nur bei daneben stehenden Polizisten respektiert.
Unsere Stimmung bewegt sich zwischen Aufregung, Erstaunen, Angst und Müdigkeit. Wir kommen aber dennoch wohlbehalten im Hotel an, das von außen deutlich schlechter aussieht als es ist (es gibt wirklich Nichts daran auszusetzen).

Das Paris-Hotel von außen

In der Lobby
Eins unserer Zimmer
Drinnen finden wir den auf der Couch schlafenden Islam, einen 18-jährigen Jungen und im Hotel Mädchen für Alles, vor. Wir wecken ihn, nach einer kurzen Phase der Verwirrung verständigt er den Hotelmanager und wir können unser Gepäck wie verabredet in einem Zimmer deponieren.
Dann brechen wir zu einem ersten Erkundungsspaziergang durch das erwachende Kairo auf.

Auf Erkundungstour
Meine ersten Eindrücke sind: Smog (wirklich extrem: man sieht nachts keine Sterne, bei Sonne sieht es aus wie Nebel, draußen ist deswegen Alles mit einer schwarzen Staubschicht überzogen), Staub wegen der Kairo umgebenden Wüste. extrem chaotischer aber dennoch, oder gerade deshalb, funktionierender Verkehr und das Nebeneinander großer Unterschiede: Neubauten oder Villen stehen neben alten verfallenden Häusern, extrem alte oder kaputte Autos neben luxoriösen Neuwagen, ein Obdachloser schläft einer viel befahrenen Straße vor einer Villa. Modern und sehr schick angezogene Menschen bewegen sich zusammen mit traditionell gekleideten auf der Straße. Die meisten Frauen tragen ein Kopftuch, aber meist, vor allem bei jüngeren, kombiniert mit Figurbetonter Kleidung. Nur wenige sind komplett verschleiert.

Morgens am Nil

Das Nilufer im Morgengrauen
In der Innenstadt sieht man das Gesicht eines Polizeistaates oder das, was man davon oberflächlich wahrnehmen kann, auch wenn es nicht bedrohlich wirkt. Überall stehen Polizisten, teilweise mit Gewehren bewaffnet und hinter Stahlschilden, es patroullieren gepanzerte Lastwagen, in denen größtenteils sehr junge, wie wir später erfahren, Polizisten zur Aufstandsbekämpfung sitzen.
In der Stadt fühlen wir uns trotz der sichtbaren und teilweise sehr ausgeprägten Armut nie unsicher. Einer der ersten Eindrücke vom Balkon des Hotels aus ist ein mit Blumenkohl beladener, von einem pferdeartigen Tier gezogener Karren.
Die Einheimischen wirken recht aufdringlich (wohl aufgrund unserer Erscheinung als westliches Touristen und wegen der Frauen in unserer Gruppe), aber nur selten werden sie wirklich nervig. Ansonsten sind sie freundlich und hilfsbereit. Zurück im Hotel legen sich Rahel, Tomek und Natalia im bisher einzigen für uns zur Verfügung stehenden Zimmer hin und ich, Corinna, Anna und Stefan machen sich mit einem Taxi, neben unseren Füßen das von uns bevorzugte Transportmittel, auf den Weg zu einem Einkaufszentrum. Man kann zwar rein, aber die Läden darin haben geschlossen. Ich kaufe in einer recht abenteuerlichen Aktion Zigaretten. Daher kehren wir ins Hotel zurück und gehen erst einmal schlafen.
Persönlich fühle ich mich in der Stadt von Anfang an wohl, das Chaos macht mir wenig aus, die Ägypter wirken sehr anarchisch.

Eine Stadtansicht
Nach dem Schlafen nehmen wir unsere erste lokale Mahlzeit in einer Art ägyptischem Mc Donald's ein - das Urteil fällt gemischt aus. Wir besorgen Durchfalltabletten und sind auf die Wirkung gespannt (so viel sei vorweg genommen: sie wirken sehr gut). Aus dem Schlafdefizit ergibt sich Konfliktpotenzial, ich bin verplant und reizbar und vor allem Stefan geht es wohl ähnlich, aber ein paar Stunden Schlaf wirken Wunder. Blöderweise haben wir es versäumt, am Flughafen Geld zu tauschen und ich mag das Gefühl nicht, von Stefan "abhängig" zu sein, aber das lässt sich ja ändern. Wir sitzen noch zusammen und unterhalten uns, es gibt kostenlosen Kaffee und kein Rauchverbot.
Tomek, Natalia, Rahel und ich wollen eine Shisha kaufen gehen und landen im Geschäft von Mohammad Ramdan. Wir bekommen Tee und eine Shisha angeboten; irgendjemand bringt glühende Kohle vorbei. Er organisiert auch Touren und Ähnliches. Tomek kauft eine Shisha, Kohle und Tabak und kriegt noch etwas Kleinkram geschenkt. Auf eine angebotene Zigarette antwortet Mohammad mit "No. Hashish only."

Welche nimmt man da nur?
Vor einer Synagoge stehen Soldaten oder Polizisten und sehr massiv aussehende Absperrungen - wahrscheinlich zu Recht, aber in Berlin ist das auch nicht unbedingt anders.
Im Hotel bekommt jede/r von Rocky, der irgendwie im Hotel aufgetaucht ist, eine Massage, die sehr gut tut. Tomek und ich haben uns dummerweise Alkoholfreies Bier gekauft. Wir bekommen von Rocky, der in seinem eigenen kleinen Straßencafé arbeitet, Fotos von seinem Heimatdorf gezeigt. Wir merken, dass wir keine haben und sollten beim nächsten Mal welche mitnehmen. Tomek zeigt ein paar Bilder von Norderney auf studivz.de.